Schüchternheit überwinden: Ist das wirklich wichtig?

Zurückhaltende Menschen hören immer wieder: Du musst deine Schüchternheit überwinden! Dabei können diese Ratschläge und Denkmuster sogar schaden.

Schüchternheit überwinden: Ist das wirklich wichtig?

Introvertierte haben es nicht immer leicht. Sie denken, dass sie ihre Schüchternheit überwinden müssen, um ihr Glück zu finden, und kritisieren sich dafür, beim Kontakt mit Menschen so angespannt und krampfig zu sein. Dabei schlagen sich genau diese Gedanken negativ auf die Symptome aus. Wir plädieren dafür, Schüchternheit zu akzeptieren – und sie sogar zu würdigen.

Die Probleme von schüchternen Menschen

Dass Schüchternheit ein Problem ist, lernen Betroffene oftmals schon in der Schule. Für sie ist es eine große Herausforderung, vor vielen Menschen zu reden und im Mittelpunkt zu stehen. Sollen sie ihre Hausaufgaben präsentieren, laufen sie oftmals rot an, können sich schlechter artikulieren und schämen sich dafür, die Situation nicht so gut meistern zu können wie ihre Klassenkameraden.

Durch diesen Vergleich reden sie sich schnell schlecht und bekommen das Gefühl, die 'normalen' Herausforderungen des Alltags nicht bewältigen zu können. Aus Angst vor Nähe, Ablehnung oder vor dem Scheitern beginnen sie sich zurückzuziehen und flüchten in eine Welt, in der sie sich nur mit sich selbst auseinandersetzen müssen. Und genau hier liegt der Fehler.

Warum niemand seine Schüchternheit überwinden MUSS

Wie heißt es doch so schön: Jeder Mensch ist einzigartig. Und deshalb ist es auch so wichtig, Individualität schätzen zu lernen. Melina Royer, Autorin des Buches "Verstecken gilt nicht!" und des Blogs "Vanilla Mind" weiß, wovon sie spricht. Im Gespräch mit "EDITION F" erzählte die Schüchterne von ihrem Werdegang zu einer Frau, die sich selbst akzeptiert, wie sie ist.

Über zurückhaltende Menschen hat sie viel Positives zu sagen. Sie können gut zuhören, sind sehr kreativ und haben "ein sehr reiches Innenleben". Früher wusste sie diese Eigenarten an sich selbst jedoch keinesfalls zu schätzen. Sie schämte sich, fühlte sich minderwertig und mied den Kontakt zu Fremden.

Einen positiven Umgang mit ihrer Schüchternheit fand Melina Royer, als sie ihren Mann kennenlernte. Er brachte ihr bei, dass sie sich nicht verstellen muss, um geliebt zu werden. Nach und nach fand sie zu sich selbst, akzeptierte ihre vermeintlichen Schwächen als Teil ihres Ganzen und wurde dadurch selbstbewusster.

Schüchternheit überwinden: Sei du selbst

Somit sollte also nicht das Ziel sein, seine Schüchternheit zu überwinden, sondern seine Ängste, missfallen zu können oder nicht richtig zu ticken. Akzeptiere dich, so wie du bist. Es gibt viele Menschen, die es schätzen, wenn andere etwas zurückhaltend sind.

Trotzdem ist es hilfreich, sich auch mal etwas zu wagen. Wenn du trotz deiner Schüchternheit Kontakt zu anderen Menschen möchtest, begibt dich von Zeit zu Zeit auch mal in Situationen, die außerhalb deiner Komfortzone liegen. Lass dich zum Beispiel mal in einem Markt beraten und schau, wie die Menschen auf dich zugehen. Trau dich und sprich dir gut zu – so kannst du deine inneren Hürden überwinden und positive Erfahrungen sammeln. Aber viel wichtiger: Sei du selbst und gib anderen Menschen auch die Chance, dich genau so zu lieben.

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